Jeder kennt die Geschichte von Wilhelm Busch. Zwei freche Buben, die einen Streich nach dem anderen spielen und am Ende vom Müller in einer Mühle zermahlen werden.
Nun, eine ähnliche Geschichte haben wir derzeit zu erleben.
Die Ankündigung neuer Regeln durch die GameForge 2 Wochen vor der Einführung mag nicht allzu wild sein, man gewöhnt sich an solche knappen Zeiträume. Was dann aber da drin steht, ist eine Frechheit sondersgleichen.
Auf einmal wird mir klar, wie die GameForge den Userschwund angehen will: Indem man aktives Flottenspiel bestmöglich unterbindet.
Die Argumentation, dass eine Internationalisierung der Regeln notwendig sei um die Durchlässigkeit zwischen den verschiedensprachigen Communities zu erhöhen, erscheint da geradezu grotesk. Es kommt eher einer Gleichschaltung der Communities nahe, denn mit dem Anspruch, dass in allen Ländern gleiche Regeln gelten müssen, ist doch schnell klar, dass jegliche Eigenständigkeit in Regelfragen ein Ende hat. Sinnvolle Änderungen müssen ab sofort also zwischen allen OGame-CoMas abgesprochen werden, die Einbeziehung der Teams kann man dadurch völlig vergessen.
Soviel erstmal zum Grundkonzept international gültiger Regeln. Viel interessanter ist nun aber, welche Regeln als Vorlage verwendet wurden, denn dabei handelt es sich um die Regeln von OGame.org. Dass sich die Regeln in .de seit ihrer Einführung mehr als bewährt haben, und nur in Detailfragen einer Nachbesserung bedurft hätten, wird dabei völlig ignoriert.
Klar – warum sollten die .de-Regeln besser sein, als .org oder .us? Berechtigte Frage. Immerhin sind die .org-Regeln viel verbreiteter. So muss man deutlich weniger Communities mit wirklich geänderten Regeln konfrontieren, für die meisten ist es nur eine Überarbeitung der sowieso schon geltenden Version.
Nur schade, dass OGame.de als älteste Community mit der meisten Erfahrung dadurch solch herbe Einschnitte erlebt. Ich hatte ja schon eingangs erwähnt, dass die neuen Regeln das Flottenspiel unterbinden sollen. Dies geschieht über eine Änderung der Bashregel. Künftig ist es zwar möglich, 6 statt der bisherigen 5 Angriffe auf das selbe Ziel (also den Planeten/Mond, nur für die, die sich gern Regeln zurechtbiegen) zu fliegen, dafür zählen Mondzerstörungen voll mit. Will man also einen Mond zerstören, muss das mit 6 Versuchen klappen oder man braucht Hilfe. In Anbetracht der Tatsache, dass das in einem alten Uni manchmal die einzige Möglichkeit ist, Langzeitsaver zu erwischen, ist man mit den neuen Regeln deutlich sicherer, wenn man einen 8k-Savemond besitzt.
Stellen wir gegenüber, dass die GameForge vor längerem einmal beschloss, die Macht der Monde einzudämmen, dann ist das ein eindeutiger Rückschritt.
Es stellt sich heraus, dass selbst früher (mehr oder weniger) aktive Flottenspieler wie WeTeHa oder Koop einfach keine Ahnung mehr haben, wie dieses Spiel funktioniert. Und dass die Verantwortlichen immernoch nicht begriffen haben, dass es nicht mehr so ist wie in den “guten alten Zeiten”, als in den Unis noch was los war.
Um hier nochmal eine unvollständige Liste der Streiche der GameForge (und damit verbunden ihrer Fehlschläge) aufzuführen:
- Einführung des Schlachtkreuzers und Änderung der Rapidfirewerte – Die heutzutage exzessive Verwendung des Schlachtkreuzers schwächt Spieler im mittleren Punktebereich enorm. Näheres dazu hier.
- Ankündigung des “Großen Neuen” im Sommer ‘07 – jetzt haben wir bald Sommer ‘10, bald solls ja angeblich losgehen mit der Einführung in allen Unis. Nach der anfänglichen Euphorie Zur Zeit der Ankündigung ist der Effekt schon längst verpufft, Enttäuschung setzt ein, als nach 1,5 Jahren erstmals durchsickert, dass es sich im Wesentlichen um eine neue Optik handelt.
- Mondzerstörung – zweimal hat es die Gameforge in den letzten 2,5 Jahren soweit gebracht, dass Mondzerstörung als Bugusing deklariert werden musste – weil neue Versionen nicht ausreichend getestet wurden und krasse Programmfehler erst im laufenden Spielbetrieb auffielen. Ein Problem, das bei fast jeder neuen Version zu Tage tritt. Kein Wunder, wenn die GameForge nicht auf die Ratschläge Tester hört, so wie ich es im Herbst ‘07 am eigenen Leib erfahren durfte.
- Die Einführung neuer Paymentfeatures (Offiziere, Händler) hat die Spielergemeinschaft mehr denn je gespalten
- Die Implementation von Zufallsereignissen – Expeditionen – bleibt wirkungslos, weil nach anfänglichen leichten Balanceproblemen konsequent zu einem +-0-Geschäft verstümmelt. Liebe GF, das war eure Chance, etwas gegen den Userschwund zu tun, denn der massive Userschwund kommt nicht zustande, weil Flotten gekillt werden, sondern weil schwächere Spieler kleingehalten und intensiv gefarmt werden. Eine Alternative dazu wären die Expeditionen gewesen, wenn deren Ertrag ernstzunehmen wäre. Ich bin der festen Überzeugung, dass damit etwas mehr Dynamik in das Spiel gekommen wäre, vielleicht hätten die Unis damit sogar noch durchgehend vierstellige Userzahlen.
- Aktivitätsanzeige – kaum ein anderes Feature ist so oft geändert worden. Und dabei sprechen wir nur von einem Zeitraum von ungefähr 2,5 Jahren. Kaum hatte man sich an die neue Version gewöhnt, wurde wieder geändert und man war wieder zum langwierigen Ausprobieren aller möglichen Kombinationen verdammt.
- Neue Features im Redesign: Astrophysik, Lager – zur “Verlangsamung des Spielaufbaus” erdacht, macht es in neuen Unis das Farmen von Inaktiven Spielern nahezu wirkungslos – klingt erstmal gut, man muss aber auch einsehen, dass sich die Farmaktivitäten damit nur auf die aktiven Spieler verlagern
- Änderung der Schussreihenfolge in AKS-Flotten – stärkt große RIP-Verbände gegenüber Speedfleet enorm. Nähere Infos hier.
- Die Einführung von Offerpal – Tage vergehen, bis die GameForge auf die teilweise pornographischen Inserate reagiert und das Angebot bereinigt. Meiner (laienhaften) Meinung nach war die zögerliche Handlungsweise in dem Fall durchaus strafrechtlich relevant.
Damit möchte ich diese kurze Aufzählung zu einem Ende bringen, es könnten hier noch viele andere Dinge stehen, die aufzeigen, wie in der Vergangenheit unüberlegt und vorschnell Änderungen durchgeführt und damit die Spielbalance nachhaltig beschädigt wurde.
Bleibt nur zu hoffen, dass wir in Bälde Wilhelm Busch zitieren können:
„Gott sei Dank! Nun ist’s vorbei
mit der Übeltäterei!“